Motivation vergeht. Erinnerungen bleiben.
Warum ich angefangen habe, meine Läufe aufzuschreiben – und warum das mehr verändert hat als jede Lauf-App.
Als ich mit dem Laufen anfing, tat ich genau das, was fast jeder tat: Ich zog Laufschuhe an und rannte drauf los. Das ist inzwischen lange her. Smartwatches gab es noch nicht, und wenn ich unterwegs Musik hören wollte, wanderte ein Discman in die Jackentasche. Wer nie mit einem hüpfenden Discman in der Tasche gelaufen ist, hat keine Ahnung, wie empfindlich CDs auf Bewegung reagieren.
Erst später begriff ich, warum ein Lauftagebuch motiviert: Es zeigt nicht nur, was ich geleistet habe, sondern auch, wie sich mein Weg verändert hat. So lief ich einige Jahre tapfer vor mich hin und hatte von vielem Ahnung – nur nicht, wie weit ich lief, wie schnell ich war oder wie es meinem Puls dabei ging.
Natürlich merkte ich, dass ich länger laufen konnte. Ich war früher wieder zu Hause und musste unterwegs seltener stehen bleiben. Aber all das beruhte mehr auf Gefühl als auf Fakten.
Als dann Smartphones und die passenden Uhren auf den Markt kamen, installierte ich eine Lauf-App. Schließlich wollte ich endlich wissen, wie weit ich gelaufen war, wie schnell und ob mein Herz dabei eher Sport oder einen Fluchtversuch vermutete.
Aber SO RICHTIG vorwärts kam ich nicht.
Nach jedem Lauf schaute ich mir die Karte an, studierte ein paar Zahlen und las eine Statistik. Meine App war zufrieden – oder auch nicht – je nachdem, wie gut der Lauf war. Aber sie hatte alles aufgezeichnet. Nur eines wusste sie nicht: wie sich dieser Lauf angefühlt hatte.
Sie wusste nicht, dass ich nach drei Kilometern mit mir diskutierte, ob fünf Kilometer nicht ohnehin eine reichlich überbewertete Zahl seien. Sie wusste nicht, dass ich an einem Herbstmorgen im Wald stehen blieb, weil plötzlich zwei Rehe den Weg kreuzten. Sie wusste auch nicht, dass ich nach einem besonders anstrengenden Tag eigentlich gar nicht laufen wollte und eine Stunde später mit dem Gefühl nach Hause kam, den Kopf einmal gründlich durchgelüftet zu haben.
Für die App waren das drei Läufe, für mich waren es drei Erinnerungen.
Irgendwann öffnete ich einen Lauf vom vergangenen Frühjahr. Acht Kilometer. Pace, Herzfrequenz, Höhenmeter. Alles noch da. Nur ich selbst wusste nicht mehr, weshalb dieser Lauf wichtig gewesen war. Ich konnte die Strecke sehen, aber ich konnte mich nicht mehr in sie hineinversetzen. Das brachte mich auf eine simple Idee.
Ich begann, nach jedem Lauf ein paar Sätze aufzuschreiben. Keine langen Texte. Manchmal waren es nur zwei Zeilen.
„Heute keine Lust gehabt. Trotzdem losgegangen.“
„Zum ersten Mal zehn Kilometer.“ . . . Ich hätte nie gedacht, dass dieser Satz einmal selbstverständlich sein würde.
Mehr musste nicht sein.
Einige Monate später blätterte ich zurück. Ich las diese kurzen Notizen und erinnerte mich an Dinge, die sonst längst verschwunden gewesen wären. Ich wusste wieder, wie es war, nach einem langen Lauf platt wie Plätzchen auf unserer Seitentreppe zu sitzen und die Schuhe auszuziehen.
Kein Diagramm hatte das festgehalten.
Und mir fiel noch etwas auf: Anfangs schrieb ich Sätze wie: „Fünf Kilometer sind völlig ausreichend.“ Wenige Monate später standen dort Einträge über zwölf Kilometer. Danach tauchte zum ersten Mal das Wort Halbmarathon auf. Ich hatte diese Entwicklung gar nicht bemerkt, weil sie Schritt für Schritt passiert war.
Erst beim Lesen wurde mir klar, wie weit ich gekommen war. Nicht auf der Strecke, sondern im Kopf. Aus „Fünf Kilometer reichen“ war irgendwann „Halbmarathon“ geworden, ohne dass ich den Moment bemerkt hatte. Ich war einfach weitergelaufen.
Darin liegt wohl der Unterschied zwischen einer Lauf-App und einem Journal: Die App sammelt Daten. Ein Journal sammelt Geschichten. Die App weiß, wie schnell ich gelaufen bin, aber das Journal weiß, warum ich überhaupt losgelaufen bin.
Beides hat seinen Platz: Ich nutze meine Lauf-App bis heute. Ich sehe mir gern an, wie viele Kilometer zusammengekommen sind oder welche Pace ich gelaufen bin. Aber wenn ich wissen möchte, weshalb mir ein bestimmter Lauf bis heute im Gedächtnis geblieben ist, suche ich nicht in einer Statistik.
Ich schlage mein Journal auf. Da stehen keine Rekorde, da steht der Morgen, an dem ich zum ersten Mal im Schnee gelaufen bin. Der Lauf nach einer schlechten Woche. Die Strecke, auf der ich begriff, dass ich mir selbst weniger Ausreden erzählte als noch vor einem halben Jahr.
Diese Einträge haben nichts mit Sport zu tun. Sie erzählen vom Leben zwischen zwei Laufschuhen.
Aus genau diesem Gedanken ist „Mein Weg zur ZIELLINIE“ entstanden: ein Laufjournal für Frauen, das nicht nur Trainingseinheiten dokumentiert, sondern auch Gedanken, Fortschritte und jene kleinen Momente festhält, die in keiner Statistik auftauchen.
Mein Weg zur ZIELLINIE

Das Laufjournal als Print und digital im Überblick:
https:/www.belliacartae.de/bellia-journals/
Ein illustrierter Laufbegleiter für vier Monate – mit Wochenplanung, Seiten für deine Läufe, regelmäßigen Reflexionen und viel Raum für deine persönliche Laufgeschichte.
Erhältlich als gebundenes Journal und als digitale PDF-Version in A4 und A5.
Deshalb schreibe ich meine Läufe auf. Nicht, weil ich Angst habe, etwas zu vergessen, sondern weil Erinnerungen langsam verschwinden. Sie nehmen zuerst die Kleinigkeiten mit. Den Wind, die Gedanken auf den letzten Metern und auch den Stolz, den man niemandem erzählt hat.
Und irgendwann bleibt nur noch die Zahl übrig. Das wäre schade.
Denn am Ende erinnert sich kaum jemand an die Pace eines gewöhnlichen Dienstaglaufs. Man erinnert sich daran, wer man damals war. Und manchmal genügt ein einziger Satz in einem Journal, um diesem Menschen noch einmal zu begegnen.
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